Interpretationen

Kurzinterpretationen

Der Historiker, Literatur- und Kulturwissenschaftler Hartwig Wiedow, mit Heinz Piontek in jungen Jahren persönlich bekannt, verfasst für diese Homepage dankenswerterweise Kurzinterpretationen, die Gedichte Pionteks aus verschiedenen Werkphasen berücksichtigen. Sie finden die bisher erschienenen Interpretationen unter dem Register Projekte / Unterrichtliches.

Letzte Fahrt - Ausführliche Interpretation von Pionteks Gedicht

Hartwig Wiedow, der für diese Homepage bereits zalreiche Gedichte interpretiert hat, liefert eine ausführliche Interpretation von Pionteks Gedicht, das Wiliam Turners bekanntes Gemälde "The Fighting Temeraire" (1839) lyrisch ver- und bearbeitet und damit eine eigene Sichtweise entwirft.

 

Heinz Piontek: Letzte Fahrt

 

Obgleich er unterwegs ist                                                        
zu seinem Abwrack- und Verschrottungsplatz
am Rand der Werften,

 

bewundere ich diesen Windjammer
wie er, Wände und Aufbauten                                               
ganz aus weißem oder bräunlichem Gold,

mit gerefften Segeln
über dem Hafenbecken schwebt –

 

während ihn ein kleiner
verrußter Schlepper,                                                                
nur die Rauchfahne golddurchwirkt,
hinter sich her zieht.

 

Nebliges Blau über den Schiffskörpern,
unter ihnen Wasserspiegelungen:
ein Scheinen und Flimmern                                                     
wie von tonnenweise versenkten Münzen.

 

Deine Farben,

Wiliam Turner.

 

Worterklärung:

„Windjammer“ (das Zeitwort „to jam“ bedeutet „pressen“) steht heute allgemein für einen Großsegler.

 

Heinz Pontek: Neue Umlaufbahn. Gedichte. Würzburg  1998. S. 29

 

 

Die Interpretation findet sich als Dateianhang im pdf-Format.

 

„Neue Umlaufbahn“ ist der Titel des letzten zu Lebzeiten erschienenen Gedichtbands von Heinz Piontek (1998). In ihm finden sich die mit „Letzte Fahrt“ überschriebenen Verse. (In sprachlich etwas anderer Form waren sie bereits 11 Jahre vorher in dem Gedichtband „Helldunkel“ veröffentlicht worden.) Sie beschäftigen sich mit einem herausragenden Bild der englischen Malerei, das seinerseits ein bedeutendes Schiff der englischen Kriegsmarine des 19. Jahrhunderts zum Objekt hat. Zweifelsohne eine der Hauptattraktionen der National Gallery in London! Die „Fighting Temeraire“ ist jedem Engländer aus dem Geschichtsunterricht bekannt, eilte sie doch in der Seeschlacht bei Trafalgar (21. Oktober 1805) mit waghalsigen Manövern dem durch die spanisch-französische Armada in schwerste Bedrängnis geratenen Flaggschiff „Victoria“ H. Nelsons zu Hilfe und ermöglichte so den Sieg der zahlenmäßig unterlegenen englischen Marine, der dann den Beginn  einer bis 1914 währende Pax Britannica über die Weltmeere bedeutete.

"Oder, mein Fluß." - Ein interpretatorische Annäherung an Heinz Piontek und Günter Eich

Dass ein Dichter ein Gedicht über ein Gedicht eines Dichterkollegen verfasst, kommt ja nun nicht so häufig vor. In Heinz Pionteks Lyrikband „Neue Umlaufbahn“ findet sich ein Gedichtzyklus mit 9 Gedichten unter dem Titel „Oderabwärts“. Das dritte Erzählgedicht – ob man von einem Gedicht überhaupt sprechen kann, wird in der vorliegenden Interpretation untersucht – wiederholt Piontek Eichs Titel: „Oder, mein Fluß“.

Nicht zufällig, sondern bewusst stellt Piontek diesen Titel von Eichs Gedicht voran und lenkt damit den Blick zugleich auf Eichs Text – eine lyrische Auseinandersetzung, eine Interpretation in lyrischer Form, die gleichermaßen eine weitere Interpretation herausfordert.

Dieser Aufgabe hat sich der Literaturwissenschaftler Hartwig Wiedow gestellt; er stellt seine Überlegungen zu Pionteks und Eichs Gedicht in einer glänzenden Interpretation dar.

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Selbstinterpretation "Ich, Anton Pawlowitsch"

Weniger Interpretation, mehr Bekenntnis, fast schon Verteidigung. Poesie und Reflexion verschmelzen, künstlerischer Auftrag und Selbstvergewisserung, ja Rechtfertigung seines Künstlerdaseins und seines künstlerischen Auftrags.

Heinz Piontek sieht sich in der Tradition des großen russischen Erzählers und Dramatikers Anton Tschechow und äußert sich zu seinem Rollengedicht „Ich, Anton Pawlowitsch“.

Dass ein Autor nicht immer der beste und alleingültige Interpret seines Werks sein muss, ist Allgemeinplatz. In den vorliegenden Aussagen Pionteks zu seinem Gedicht geht es denn auch nicht um eine formal exakte, inhaltlich stringente Interpretation im germanistischen Sinne.

Piontek versucht in die Diskussion jener Zeit einzugreifen, indem er die Rolle des Schriftsteller und Künstlers aus seiner Sicht zu bestimmen versucht. Fast klingt dies schon wie eine Abrechnung mit all denen, die ihm, Piontek, seine angeblich unpolitisch konservative Haltung vorhielten und unterstellten.

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Selbstinterpretation "Mit einer Kranichfeder"

Eine Verteidigungschrift - die Verteidigung der Schönheit im und durch das Gedicht!

 

Mit einer Kranichfeder

Dein harscher Ton.

 

Am Kehllaut erkenn ich

die Schönheit.

Die Partisanin.

 

Erhell mein

hinterhältiges Herz.

 

Schwarz auf weiß.

 

 

Im Kontrast mit der Interpretation des Literaturwissenschaftlers Heinz Politzer (in: Doppelinterpretationen. Das zeitgenössische Gedicht zwischen Autor und Leser, hrsg.v. Hilde Domin, Frankfurt a.M. 1966, S.128-136) besonders aufschlussreich.

Aus urheberrechtlichen Gründen wird dieser zweite Text hier nicht veröffentlicht.

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Erde unter dem Schnee

Eine Interpretation der Kurzgeschichte finden Sie bei Reclam; als pdf-Datei  oder ebook zum Download.

Die Furt

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© Anton Hirner